Das Zitat im Titel stammt von dem deutschen Dichter Matthias Claudius aus dem Jahr 1786. Ich habe es gewählt, weil es perfekt für diesen Blog-Artikel passt. Eigentlich hatte ich nicht vor, Urlaubsberichte zu schreiben. Aber während meine Frau bei einer Konferenz in Athen schwitzte, hatte ich sehr viel Zeit, die Stadt zu erkunden. Was soll ich sagen, außer: Sag niemals nie! Ich hatte keinen konkreten Plan für Athen, aber als ich beim Spazieren durch die Stadt Menschenmassen sah, die sich ohne Schatten durch die Akropolis schoben, wusste ich, wo ich bei 35–40 Grad nicht hinwollte.

Schon bei der Tour nach Delphi sah ich mitten im archäologischen Park eine Kolonie von Wiedehopfen. Gerade der Wiedehopf ist ein Vogel, den ich bei uns noch nie getroffen habe (obwohl ich mehrere bestätigte Sichtungen ums Eck habe). Als ich in Athen die süßen Mönchssittiche sah, war das Motto klar: Weniger Stadt, mehr Hügel, Parks und Berge. Davon gibt es in Athen mehr als genug. Die Temperaturen waren für Ausflüge in die Natur sowieso besser geeignet, als in der Stadt zu verglühen.

Ich hatte einige Hügel wie den Lycabettus-Hügel, den Pnyx-Hügel sowie den Philopappos-Hügel in fußläufiger Distanz vom Hotel zur Auswahl. Außerdem war der Nationalgarten, der Ilisia-Park sowie das weitläufige und teils sehr grüne und parkähnliche Universitätsgelände direkt vor der Tür. Ich dachte, dass auch das Hymettos-Gebirge noch gut erreichbar war. Das sollte sich nach meiner 20-km-Wanderung von knapp über dem Meer auf fast 900 m und dem Muskelkater meines Lebens aber doch als kleiner Fehler herausstellen. Jedenfalls mangelte es nicht an Angeboten für eine kleine „Wildlife-Safari“ in Athen.

Quellen zu diesem Abschnitt: Hellenic Ornithological Society [2]
Die Mönchssittiche von Athen
Der Mönchssittich stammt ursprünglich aus Südamerika, dort ist er vor allem in Argentinien, Uruguay, Paraguay und Brasilien zu Hause. In der Vergangenheit wurden viele Tiere über den internationalen Zoohandel importiert und es konnten immer wieder welche fliehen (möglicherweise sind sie teilweise auch gezielt freigelassen worden). Vor allem in Barcelona, Madrid, Rom und Athen entwickelten sich sehr schnell große Kolonien.

Da das Klima den südamerikanischen Savannen sehr ähnlich ist und sich auch Nahrungsangebot wie Nistmöglichkeiten ähneln, war der Siegeszug der Mönchssittiche vorprogrammiert. Die Vögel sind sehr anpassungsfähige Pflanzenfresser und ernähren sich von so ziemlich allem, was sie finden. Früchte, Knospen, Blüten, Nüsse sowie frische Triebe stehen auf ihrem Speiseplan.

Quellen zu diesem Abschnitt: Vogelbund [4], Zootier-Lexikon [5]
Die Fütterung der Nestlinge
Die Jungtiere waren schon ziemlich groß, wurden aber noch gefüttert. Das war ein besonders faszinierendes Schauspiel, weil sie beim Betteln nach Futter mit den Flügeln wippen und dabei nicht zu überhören waren.

Die Nestlinge werden über Regurgitation, dem Hervorwürgen eines angedauten Breis aus dem Kropf, versorgt. Dabei verhaken sie den Schnabel mit dem der Eltern und die Eltern pumpen den Nährstoffbrei in den Schlund des Jungvogels.

In Wien gab es im Türkenschanzpark und in den Donau-Auen um 2004 immer wieder Sichtungen von Halsbandsittichen. Sie sind allerdings wieder verschwunden, da es zu keiner stabilen Population kam.
Quellen zu diesem Abschnitt: Stadtwildtiere Wien [3], Vogelbund [4], Zootier-Lexikon [5]
Der Segelfalter – ein Falter mit südländischem Temperament
Der Segelfalter gilt bei uns als stark gefährdet. Ich staunte nicht schlecht, als ich ihn in Athen buchstäblich überall entdecken konnte. Der Segelfalter ist eine thermophile (wärmeliebende) Art, die sich vor allem im Süden Europas sehr wohlfühlt. Bei uns wird es durch die Klimaveränderung zwar immer wärmer, allerdings wirken sich die zunehmenden Wetterextreme (wie extrem trockene Sommer oder Spätfrost) stark auf die Population aus. Durch die intensivierte Landwirtschaft kam es zu einem starken Verlust des Lebensraums der Segelfalter. Er braucht vor allem Hecken, Büsche und Streuobstwiesen. Eine weitere Gefahr sind Pestizide, sie töten die Raupen direkt. Wo sie eingesetzt werden, gibt es den Segelfalter nicht mehr.

Die bevorzugten Lebensräume des Segelfalters sind trockene Landschaften. Er liebt Trockenhänge, Magerrasen, steinige Landschaften wie auch Streuobstwiesen und Weinberge.

Quellen zu diesem Abschnitt: Schmetterlings-Schule [6], Nationalpark Donau-Auen [7], Wikipedia [8]
Hilltopping – Der Segelfalter als Hügelflitzer
Der Segelfalter zeigt ein spannendes Verhalten bei der Balz. Männchen wie Weibchen fliegen gezielt zum höchsten Punkt der Umgebung. Die Männchen segeln anschließend auf dem höchsten Punkt im Kreis und setzen sich immer wieder auf exponierte Ansitze. Das Verhalten, das ich aus nächster Nähe beobachten konnte, nennt sich Hilltopping.

Aufgrund des geringen Geschlechtsdimorphismus (Männchen und Weibchen unterscheiden sich kaum voneinander) kann ich leider nicht sicher sagen, ob es sich bei meinen Bildern um ein Männchen oder ein Weibchen handelte. Aufgrund des beobachteten Verhaltens (das Aufsuchen erhöhter Ansitze) handelt es sich wahrscheinlich um ein Männchen beim „Hilltopping“.

Quellen zu diesem Abschnitt: Nationalpark Donau-Auen [7], Wikipedia [8]
Der Wiedehopf – Der Punk unter den Vögeln
Ich staunte nicht schlecht, als ich auch in Athen zahlreiche Wiedehopfe beobachten konnte. Selbst in den Parks in der Stadt war er überall vertreten. Bei uns in Österreich ist der Wiedehopf streng geschützt und vom Aussterben bedroht. Laut BirdLife Österreich haben wir aktuell noch 450–600 Brutpaare. In Wien ist er sehr selten anzutreffen, aktuell gibt es auch keine bestätigten Brutpaare.

Warum ist der Wiedehopf bei uns so selten und in Griechenland stark vertreten?
Auch hier ist die traurige Antwort sehr ähnlich wie beim Segelfalter. Der Wiedehopf war einst ein weit verbreiteter Brutvogel in Österreich. Die Umstrukturierung und Intensivierung der Landwirtschaft haben zu einem starken Verlust seines Lebensraums geführt. Die massiven Pestizideinsätze in der Vergangenheit haben fast zum vollständigen Verlust seiner Lieblingsnahrung, den Larven von Mai- und Junikäfern, geführt. Ein weiteres Problem ist die Überdüngung, die dazu führt, dass der Pflanzenbewuchs oft so dicht ist, dass er seine Beute nicht mehr finden kann.

Der Wiedehopf braucht vor allem lockeren Trockenrasen für seine Nahrungssuche. In Weingärten braucht es eine besonders bodenschonende Bewirtschaftung, damit er dort Nahrung finden kann. Durch die zahlreichen Maßnahmen in Österreich und vor allem auch in der Stadt Wien besteht Hoffnung, die Population der Wiedehopfe in Österreich wieder zu steigern.

Zum Glück gibt es Organisationen wie den gemeinnützigen Verein Wagrampur, die sich besonders der Erforschung des Lebensraums und dem Schutz der am Wagram beheimateten Flora und Fauna widmen.

Den Begriff Wagram finde ich sehr spannend. Wie ich bei meinen Recherchen herausfand, war mir die Bedeutung nicht bekannt bzw. hatte ich eine falsche Vorstellung. Der Begriff Wagram setzt sich aus den historischen Begriffen „wac“ (für Welle) und „rain“ (für Wiese oder Hang) zusammen. Er stammt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet heute so viel wie Geländestufe.

Quellen zu diesem Abschnitt: Naturschutzbund OÖ [9], BirdLife Österreich [10], Naturpark Südsteiermark [11], Verein Wagrampur [12], Region Wagram [13]
Ein Appell an eine möglichst nachhaltige Landwirtschaft und den Naturschutz
Wie sich sowohl beim Segelfalter als auch beim Wiedehopf zeigt, sind besonders geschützte Regionen wie der Drei-Anger-Regionalpark, der Norbert-Scheed-Wald, der Bisamberg oder der Nationalpark Donau-Auen besonders wichtig für die Biodiversität in der Stadt. Ich finde das ist ein sehr guter Anfang und ich bin sehr froh über die zahlreichen Projekte und die große Aufmerksamkeit, die durch diese Projekte erzielt wird. Ich sehe es als unsere Verantwortung, dafür Sorge zu tragen, die von uns Menschen zerstörte Lebensgrundlage gefährdeter Arten so gut und so weit wie möglich wiederherzustellen und bestehende Habitate besonders zu schützen.
Quellen zu diesem Abschnitt: Stadt Wien – Umweltschutz [1], Nationalpark Donau-Auen [7]
Quellenverzeichnis
- [1] Stadt Wien – Umweltschutz: Schutzgebiete und Biodiversität in Wien https://www.wien.gv.at/umweltschutz/naturschutz
- [2] Hellenic Ornithological Society / Zenodo: New locality of the invasive Monk parakeet Myiopsitta monachus in Greece https://zenodo.org/records/12806616
- [3] Stadtwildtiere Wien: Halsbandsittich & Exoten-Porträt in Wien https://wien.stadtwildtiere.at/artportraet/halsbandsittich
- [4] Vogelbund: Der Mönchssittich (Myiopsitta monachus) – Merkmal, Ernährung & Lebensweise https://www.vogelbund.de/moenchssittich/
- [5] Zootier-Lexikon: Mönchssittich (Myiopsitta monachus) – Systematik, Nistbau und Verbreitung https://www.zootier-lexikon.org/index.php?option=com_k2&view=item&id=6145:moenchssittich-myiopsitta-monacha&Itemid=671
- [6] Schmetterlings-Schule: Unterrichtsmaterial und Steckbrief Segelfalter https://schmetterlings.schule/unterrichtsmaterial/segelfalter
- [7] Nationalpark Donau-Auen: Artenporträt Segelfalter (Iphiclides podalirius) https://www.donauauen.at/wissen/natur-wissenschaft/fauna/segelfalter-iphiclides-podalirius
- [8] Wikipedia: Segelfalter (Iphiclides podalirius) – Verbreitung, Hilltopping & Gefährdung https://de.wikipedia.org/wiki/Segelfalter
- [9] Naturschutzbund OÖ: Flyer Artenschutzprojekt Wiedehopf (Upupa epops) in Oberösterreich https://naturschutzbund-ooe.at/offene-tuerme-offene-doerfer/articles/wiedehopf-in-oberoesterreich.html
- [10] BirdLife Österreich: Artensteckbrief Wiedehopf (Upupa epops) https://www.birdlife.at/voegel/wiedehopf
- [11] Naturpark Südsteiermark: Artenschutzprojekt Wiedehopf https://www.naturpark-suedsteiermark.at/wiedehopf
- [12] Verein Wagrampur: Wiedehopf-Projekt und Habitatforschung am Wagram https://www.wagrampur.at/projekte/wiedehopf-projekt
- [13] Region Wagram / Donau.com: Region Wagram – Herkunft und Bedeutung des Namens https://www.donau.com/wagram/wagram-wein

Toller Beitrag und Fotos.
LG Thomas 🙂
Vielen Dank Thomas!