Tourbericht: Abschied von den Zugvögeln 

Diese Woche gib es einen neuen Tourbericht. Wie sich herausstellte, sollte es die letzte Gelegenheit sein, den einen oder anderen Zugvogel heuer ein letztes Mal zu sehen.

Ich konnte nach dem Urlaub noch ein paar Touren unterbringen. Ich bin ein riesiges Gebiet auf mehrere Etappen abgeradelt. Die Abwesenheit der Zugvögel fällt sofort auf, es ist sehr ruhig geworden da draußen. Eine Feldlerche konnte ich noch beobachten, sehr bald werden nur noch die Wintervögel da sein. Immerhin ist es bald wieder Zeit für mein Lieblings-Naturspektakel: Die Migration der Kraniche.

Aber zurück zum eigentlichen Thema dieses Blogbeitrags. Die Route der Tour war über den Sommer immer ähnlich. Startpunkt war der Regionalpark DreiAnger, dann ein Stück ins Marchfeld, anschließend in den Norbert-Scheed-Wald und wieder zurück zum Start.

Die Tour fand Mitte August statt. Es war die erste Tour mit meiner neuen Kamera. Der Umstieg von meinem geliebten, handlichen und kleinen APS-C-System auf eine Hightech-Monster-Vollformatkamera ist nicht ganz einfach und mit einer steilen Lernkurve verbunden. Der Umstieg macht aber jedenfalls sehr viel Spaß und ich staune immer wieder über die Qualität der Bilder und die Leistungsfähigkeit der Kamera.

Die Rohrweihe

Mein persönlicher Vogel des Jahres. Dabei kannte ich sie bis vor meiner ersten Sichtung heuer nicht. Als ich das Schauspiel der Balz beobachten konnte, war ich wahnsinnig fasziniert (wer den Artikel versäumt hat, kann ihn hier nachlesen).

Eine junge Rohrweihe segelt mit leicht V-förmig gehaltenen Schwingen vor einem tiefblauen, klaren Himmel.
Eine junge Rohrweihe im majestätischen Segelflug. © Alexander Längauer

Ich investierte über den Sommer sehr viel Zeit, um die Rohrweihen zu beobachten und ihr Verhalten zu erforschen. Im Laufe der Zeit fand ich, die Brutplätze dreier Brutpaare. Bei 350 bis 500 Brutpaaren in Österreich finde ich das beachtlich. Ich war auch immer wieder damit beschäftigt, stundenlang in einem Baum zu hängen und zu warten, bis sie in das uneinsichtige, gut im Schilf versteckte Nest ein- und ausflogen.

Eine junge Rohrweihe schlägt im Gleitflug, vor strahlend blauem Himmel, zwischendurch mit den Flügeln.
Eine junge Rohrweihe fliegt vor einem strahlend blauen Himmel. © Alexander Längauer

Ich freue mich schon auf nächstes Jahr und hoffe, mit der neuen Kamera noch spektakulärere Fotos machen zu können.

Eine Rohrweihe zieht in ihrem Revier dicht an den Windrädern ihre Runden.
Rohrweihe vor der Kulisse von Windkraftanlagen im Sonnenuntergang im Marchfeld. © Alexander Längauer

Quellen für dieses Kapitel: BirdLife Österreich [1]

Machts gut, ihr lieben Kiebitze

Der Kiebitz ist ein weiterer Vogel, dem ich heuer viel Zeit gewidmet habe. Hauptaufgabe dabei war es, die wenigen verbleibenden Brutpaare im Marchfeld überhaupt ausfindig zu machen.

Ein kompakter Schwarm Kiebitze fliegt durch das Bild vor klaren blauem Himmel.
Kiebitze sammeln sich im Herbst in Gruppen und bereiten sich auf die gemeinsame Migration in den Süden vor. © Alexander Längauer

Die Kiebitze sammelten sich gerade auf einem Feld. Ich denke, der Abschied in den Süden stand kurz bevor. Ich hoffe, der Schwarm auf meinem Foto ist nicht der einzige verbleibende im Marchfeld (es waren insgesamt maximal 50 Tiere).

Zahlreiche Kiebitze verteilen sich im Flug über einen klaren blaue Himmel
Die Vorbereitung auf den Herbstzug der Kiebitze ist im Marchfeld in vollem Gange. © Alexander Längauer

Die Uhr tickt jedenfalls und es ist eine reine Zeitfrage, bis sie hier im Marchfeld nicht mehr zu sehen sein werden. Wenn wir das Aussterben des Kiebitzes verhindern wollen, braucht es in Zukunft auch hier im Marchfeld besondere Maßnahmen zum Schutz der wenigen verbleibenden Brutpaare.

Dunkle Silhouetten fliegender Kiebitze bewegen sich quer durch das Bild vor weißen Hintergrund.
Ein Schwarm Kiebitze im Flug als schwarte Silhouetten vor einem weißen Hintergrund. © Alexander Längauer

Wer mehr über den Kiebitz und dem Schutzprojekt von Birdlife Österreich erfahren will, dem lege ich mein Tierportrait für den Kiebitz ans Herz: https://www.3anger.at/tierportrait-kiebitz.

Quellen für dieses Kapitel: BirdLife Österreich [2]

Der Premierenauftritt der Mönchsgrasmücke

Obwohl sie zu den häufigsten Grasmücken in Europa gehört, habe ich sie zum ersten Mal vor die Kamera bekommen. Da sich die Mönchsgrasmücke meist im dichten Gebüsch versteckt, wo sie auch brütet, ist sie oft zu hören, aber eher selten zu sehen.

Das Männchen auf den Fotos lässt sich gut und eindeutig an der schwarzen Kappe identifizieren. Das Weibchen wollte sich offensichtlich nicht fotografieren lassen. Die Mönchsgrasmücke verweilt noch bis Oktober in unseren Gefilden. Es bleibt also noch ein bisschen Zeit, vielleicht auch das Weibchen noch zu finden.

Quellen für dieses Kapitel: BirdLife Österreich [3], NABU [4]

Die viel zu schnelle Rauchschwalbe

Rauchschwalben sehe ich ständig. Mit meiner alten Kamera war der Autofokus allerdings zu langsam für diese Flugakrobaten mit ihrem erratischen Jagdflug. Mit dem superschnellen Autofokus der neuen Kamera ist die Schwalbe nur noch für mich und meine motorischen Fähigkeiten eine Herausforderung 🙂

Zwei Rauchschwalben fliegen mit charakteristisch gespaltenem Schwanz vor blauem Himmel.
Rauchschwalben sind schnelle und wendige Flugakrobaten. © Alexander Längauer
Rauchschwalbe segelt waagerecht von links nach rechts mit nach oben gerichteten Flügelspitzen.
Perfekte Aerodynamik einer Rauchschwalbe im Flug. © Alexander Längauer

Quellen für dieses Kapitel: BirdLife Österreich [5]

Premiere, die Zweite: Der Grauschnäpper

Die nächste Premiere in meiner digitalen Fotowelt ist der Grauschnäpper. Er ist ebenfalls stark verbreitet, gehört aber zu der Art Vögel, die durch ihre geringe Größe mit freiem Auge oft schwer auszumachen bzw. zu identifizieren sind.

Grauschnäpper blickt von einem kahl liegenden Ast vor weichem, grünem Hintergrund.
Grauschnäpper wartet geduldig auf vorbeifliegende Insekten. © Alexander Längauer

Der Grauschnäpper ist ein Ansitzjäger. Wie auf den Fotos zu sehen ist, nutzt er exponierte Ansitze, um die Umgebung zu beobachten. Sobald er eine Beute identifiziert, stürzt er sich auf sie und fängt sie im Flug.

Quellen für dieses Kapitel: BirdLife Österreich [6]

Der Buntspecht, ein echter Wintervogel

Als letzter Vogel kommt einer, der sich durch schlechtes Wetter nicht die Laune vermiesen lässt. Der Specht ist ein stoischer Wintervogel. Kälte, Regen und vielleicht sogar ein bisschen Schnee – das ist ihm egal. Vielleicht ist er sogar wie ich und freut sich schon auf die niedrigeren Temperaturen der kühleren Jahreszeit.

Ein Buntspecht klettert aufmerksam an einem rindenlosen, hellen Ast steil nach oben.
Buntspecht bei der Nahrungssuche auf einem toten Baum. © Alexander Längauer

Quellen für dieses Kapitel: BirdLife Österreich [7]

Die jüngste Zuwanderin: Die Wespenspinne

Am Ende der Tour musste ich auch die Wespenspinne fotografieren, die es sich in unseren Tomaten sichtlich bequem gemacht hat. Ich hoffe, sie findet viel zu fressen und bleibt bei uns im Garten.

Wespenspinne im Radnetz vor dichtem grünen Laub mit sichtbarem Zickzack-Stabiliment.
Wespenspinne mit charakteristischem Muster und Netzstruktur. © Alexander Längauer

Die hitzeliebende Wespenspinne war früher eher im Süden Europas vertreten. Durch die Klimaveränderung hat sie ihren Lebensraum bis nach Mitteleuropa erweitert. Ich sehe sie auf meinen Touren immer wieder. Ein Tier direkt in den eigenen Tomaten zu haben, ist aber natürlich eine besondere Freude.

Eine gelb-schwarz gestreifte Wespenspinne sitzt zentral in ihrem Radnetz direkt neben einer grünen Tomate.
Nahaufnahme einer Wespenspinne im Gemüsegarten. © Alexander Längauer

Quellen für dieses Kapitel: Naturschutzbund Österreich [8], Blühendes Österreich [9]

Auf in den Herbst

Jetzt ist der Sommer vorbei und der Herbst hat begonnen. Selbst wenn ich mich auf gemäßigtere Temperaturen freue, fühle ich mich nach dem Schreiben des Beitrags ein bisschen wehmütig. Ich hoffe, unsere Urlauber kommen gut in ihren Winterquartieren an. Hier nochmals direkt der Link zu der wichtigen Aktion von BirdLife: https://www.birdlife.at/artikel/gemeinsam-fuer-den-kiebitz/

Quellenverzeichnis

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