Edle Greifen am Rande der Großstadt
Rohrweihen (Circus aeruginosus) sind beeindruckende Erscheinungen. Mit einer Flügelspannweite von bis zu 130 cm und einer Körperlänge von bis zu 56 cm, sind sie ähnlich groß wie die im Regionalpark stärker verbreiteten Mäusebussarde. Doch im Flug wirken sie deutlich eleganter und graziler. Charakteristisch ist der V-förmige Segelflug, bei dem sie die Flügel hoch oben halten, während sie niedrig über das Schilf oder die Felder gleiten.
Dieser edle Greifvogel steht auf der Vorstufe der Roten Liste. Laut BirdLife Österreich gibt es bei uns nur noch etwa 350 bis 500 Brutpaare – eine Begegnung ist also alles andere als selbstverständlich. Während ich in der Vergangenheit ab und zu ein Einzeltier sichten konnte, war mir ein Pärchen bisher verwehrt geblieben.

Das Erkennungsmerkmal: Wer ist wer?
Bei den Rohrweihen lassen sich Männchen und Weibchen gut unterscheiden. Das nennt sich übrigens auch Geschlechtsdimorphismus (ein Begriff aus der Biologie, der schlicht beschreibt, dass sich die Geschlechter einer Art in ihrem Aussehen, etwa in Farbe oder Größe, deutlich voneinander abheben), was man auch auf dieser Aufnahme besonders gut sieht:

Eine Beobachtung wie ein Lotto-Sechser
Ich war wie gebannt. Ich lehnte mich gegen einen Zaun und beobachtete das Schauspiel durch die Kamera, das ohnehin schon beeindruckend war. Als die beiden dann aber mit dem klassischen „Balztanz“ in der Luft begannen, traute ich meinen Augen kaum. Mir war sofort klar, dass die Chance, dieses Verhalten so frei beobachten zu können, einem Lotto-Sechser gleicht.
Das Adrenalin schoss ein, mein Puls stieg. Ein letzter, hektischer Check: Stimmen die Kameraeinstellungen? Wie ist das Licht? Wo ist der beste Standort? Die Sonne kam leider von der „falschen“ Seite, was mir etwas Sorgen bereitete, aber ich vertraute darauf, im RAW-Workflow in der Nachbearbeitung später die Details aus den Schatten retten zu können.
Der Tanz der Krallen
Wie ihr auf den Fotos sehen könnt, ist die Balz spektakulär. Sie beginnt oft mit spielerischen Scheinangriffen des Männchens auf das Weibchen. Der Höhepunkt ist jedoch der Moment, in dem sie sich in der Luft ineinander verhaken. Bei diesem „Tanz“ verschränken sie die Beine und lassen sich für einen Moment gemeinsam trudelnd durch die Luft fallen – ein atemberaubendes Manöver, das die Bindung des Paares steigert.

Nachdem alles gecheckt war, hieß es zu diesem Zeitpunkt nur noch Draufhalten und hoffen. Der abschließende kilometerlange Spaziergang nach Hause dauerte eine gefühlte Ewigkeit. Als ich ankam und die Karte sofort ansteckte, wurde meine Geduld erneut auf die Probe gestellt: „Wie lange kann ein Import eigentlich dauern?“. Dann endlich die Sichtung der Fotos und die große Erleichterung.
Der perfekte „Wildlife Moment“
Momente wie dieser sind es, für die es mich in jeder freien Minute in die Wildnis zieht. Klar sind solche Erlebnisse äußerst selten, sie lassen sich weder planen, noch erzwingen. Aber wenn sie passieren wird die Geduld großzügig belohnt. Man kann nie darauf zählen, aber man muss immer damit rechnen und mit geschärften Sinnen durch die Natur wandern. Es gibt oft Tage an denen sehr wenig los ist und ich froh bin, wenn sich die eine oder andere Begegnung auf ein gutes Foto verewigen lässt.

Wie geht es weiter?
Der nächste Blog – Post steht jedenfalls schon fest. Er wird sich um den Norbert Scheed Wald, seine Geschichte und seine Besonderheiten drehen.
