Diese Woche melde ich mich mit einem weiteren spannenden Tourbericht. Es war das erste Wochenende im Juli, ich startet meine Tour wie üblich zeitig in der Früh im Zentrum des Regionalparks DreiAnger. Von dort fuhr ich mit dem Fahrrad weiter an das obere Ende des Marchfelds. In diesem faszinierenden Übergangsbereich befindet man sich bereits auf den typischen, schier endlosen Ackerflächen des Marchfelds, ist aber gleichzeitig noch auf Wiener Stadtgebiet. Genau an dieser Schnittstelle zwischen urbanem Raum und Agrarlandschaft erlebte ich an diesem Tag spannende Überraschungen.
Eine seltene Begegnung: Der Sakerfalke (Falco cherrug)
Zwischen den Stromleitungen konnte ich einen Sakerfalken (Falco cherrug), auch als Würgefalke bekannt, ausmachen. Bei genauerer Betrachtung fiel mir auf, dass dieses Individuum einen verkümmerten oder verletzten Schnabel hatte. Sein prall gefüllter Kropf ließ jedoch darauf schließen, dass ihn dies bei der Jagd zum Glück nicht zu sehr einzuschränken scheint. Der Sakerfalke lagert seine Beute nach einer erfolgreichen Jagd im Kropf, bevor sie anschließend erst geschluckt wird.

Der Sakerfalke zählt zu den größten heimischen Falkenarten. Mit einer Körperlänge von bis zu 58 Zentimetern und einer Spannweite von bis zu 129 Zentimetern ist er eine eindrucksvolle Erscheinung. Als spezialist für offener Landschaften jagt er seine Beute, wie Ziesel, Feldmäuse, Hasmster oder Tauben, oft in rasanten Verfolgungsflügen nahe am Boden.

Mit schätzungsweise nur etwa 700 Brutpaaren in ganz Europa gilt die Art als stark gefährdet. In Österreich liegt das Hauptvorkommen im Osten, vor allem in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland. Aktuell geht man von ca. 50 heimischen Brutpaaren aus. Dass der Trend glücklicherweise wieder leicht nach oben zeigt, ist vor allem gezielten Schutzmaßnahmen zu verdanken. Das Artenschutzprojekt der Austrian Power Grid montiert speziell entwickelte Nistboxen auf Strommasten in luftiger Höhe, die von den Falken sehr gut als Brutplätze angenommen werden.

In der Zwischenzeit war ich mehrmals am Ort der Sichtung und konnte den Falken in der Ferne immer wieder ausmachen. Dabei ist mir ein weiters Detail aufgefallen: Weit oben am Masten habe ich ein Nest entdeckt. Da Falken keine eigenen Nester bauen, sondern besetzen, könnte es sich bei diesem Vogel um ein junges Männchen handeln, das gerade sein Revier absteckt. Ich werde die Stelle auf jeden Fall weiter im Auge behalten!
Das Highlight der Tour: Der Kaiseradler (Aquila heliaca)
Ein Stück weiter, immer noch auf den offenen Feldern des Marchfelds, fiel mir eine Gruppe Krähen auf. Sie umkreisten aufgeregt einen auffällig großen Vogel, der mitten im frisch abgeernteten Feld saß. Mein erster Gedanke galt den Rohrweihen, die ich in dieser Gegend seit Monaten regelmäßig bei ihren Jagdflügen beobachten kann.

Ich staunte nicht schlecht, als ich erkannte, dass es sich um einen Kaiseradler (Aquila heliaca) handelte!
Das war meine allererste Sichtung eines Kaiseradlers überhaupt – eine echte Sensation für mich. Der Kaiseradler gilt in Österreich als einer der seltensten Greifvögel. Zwar hat sich der Bestand dank strenger Schutzprojekte in den letzten Jahrzehnten wieder langsam erholt, doch mit etwa 25 bis 30 Brutpaaren bundesweit ist er bei uns nach wie vor kurz vor dem aussterben.
Vor allem so weit im Norden, abseits der klassischen Auwald-Habitate der Donau, hätte ich nie mit diesem riesigen Greifvogel gerechnet.

Mit einer Körperlänge von bis zu 84 Zentimetern und einer Flügelspannweite von bis zu 215 Zentimetern gehört der Kaiseradler zu den größten Adlerarten Mitteleuropas. Typisch für ausgewachsene Tiere sind das dunkle Gefieder, der helle Nacken, die markanten weißen Schulterflecken (Epauletten) sowie der helle Stoß mit dunkler Endbinde.

Ein Besuch bei den Rohrweihen (Circus aeruginosus)
Zum Abschluss meiner Tour stattete ich dem bekannten Brutrevier der Rohrweihen (Circus aeruginosus) noch einen Besuch ab. Seit ich herausgefunden habe, wo diese eleganten Vögel nisten, ist dieser Ort zu einem Fixpunkt meiner Touren geworden. Ich habe eine ganz besondere Vorliebe für sie entwickelt und sie im Juni und Juli sehr oft besucht, in der Hoffnung irgendwann die Nestlinge zu Gesicht zu bekommen.

Schon nach kurzer Zeit entdeckte ich das Männchen, das mit frischem Nistmaterial im Fang vorbeiflog. Da Rohrweihen ihre Horstplätze oft über mehrere Jahre hinweg nutzen, erfordert die Konstruktion kontinuierliche Ausbesserungs- und Wartungsarbeiten, um dem Gewicht der Brut standzuhalten.

Gerade als ich mich auf den Heimweg machen wollte, ertönte plötzlich ein lautes, empörtes Krächzen aus den Gehölzen. Es war der charakteristische Ruf eines Pirols (Oriolus oriolus). Ich staunte nicht schlecht, als ich sah, wie der farbenprächtige Pirol die wesentlich größere Rohrweihe durch die Luft jagte. Vermutlich war die Weihe dem Nest des Pirols zu nahe gekommen oder hatte einen Versuch gewagt, die Eier zu rauben.

Es handelt sich bei diesem Rohrweihen Paar übrigens um genau jene, die ich schon bei ihren eindrucksvollen Balzflügen im Frühjahr beobachten durfte. Wer diesen Beitrag verpasst kann ihn hier nachlesen. Dieser Beitrag wird bestimmt nicht der letzte über dieses Paar und seinen Nachwuchs gewesen sein!
Quellenverzeichnis
- Sakerfalke:
- Kaiseradler:



