Wien ist berühmt für seine Kultur, doch nur wenige wissen, dass im Norden der Stadt, wo Floridsdorf und Donaustadt an das niederösterreichische Marchfeld grenzen, ein riesiges neues Gebiet entwickelt wird. Der Regionalpark DreiAnger ist mein persönliches „Wohnzimmer“ für die Wildlife-Fotografie und ein ambitioniertes Projekt, das Stadt und Land ökologisch verbindet.
Was ist der Regionalpark DreiAnger eigentlich?
Der Name DreiAnger leitet sich von den drei historischen Angerdörfern ab, die das Gebiet umschließen: Stammersdorf, Gerasdorf und Süßenbrunn. Es ist ein ca. 3.000 Hektar großes Areal, das als grüner Schutzgürtel fungiert. Hier wird nicht nur Landwirtschaft betrieben, sondern aktiv Lebensraum für bedrohte Arten geschaffen – von neu gepflanzte Wälder über die Entfernung invasiver Pflanzen bis hin zu wertvollen Feuchtbiotopen.

Der Regionalpark DreiAnger ist kein klassisches Schutzgebiet im rechtlichen Sinne, sondern ein lebendiger, gemeindeübergreifender Raum. Er versteht sich als modernes Werkzeug der Regionalentwicklung und hat den Anspruch Natur, Landwirtschaft und Erholung auf derselben Fläche harmonisch zu vereinen. Das ambitionierte Hauptziel ist dabei einen grünen Korridor vom Nationalpark Donau-Auen bis zum Bisamberg zu schaffen. Der Grundstein für den ursprünglichen Grüngürtel wurde bereits 1905 gelegt und 1995 erweitert.

Das Projekt DreiAnger startete 2017 im Rahmen des EU-Projekts „LOS_DAMA“ mit weiteren Zielen um die Förderung der ökologische Vielfalt und Nutzung als Naherholungsgebiet zu vereinen. Weitere Hintergründe gibt es auf der offiziellen Seite zu finden:
Tiefergehende Einblicke: Der offizielle Landschaftsplan zum Regionalpark
Wer mehr über die wissenschaftlichen Hintergründe wissen will, dem sei ein Blick in den umfassenden Landschaftsplan der Stadt Wien empfohlen.
Neben den langfristigen Entwicklungszielen finden sich dort folgende wertvolle Informationen:
- Detaillierte Karten: Exakte Pläne über die Vernetzung der Grünräume und die geplanten Korridore für Wildtiere.
- Ökologische Bestandsaufnahme: Eine Liste der geschützten Pflanzen- und Tierarten, die im DreiAnger ein Zuhause finden sollen.
- Zukunftsvisionen: Wie sich Landwirtschaft und Naturschutz in den nächsten Jahrzehnten gegenseitig stützen können.
Die Studie ist als PDF über die Wienbibliothek im Rathaus frei zugänglich.
Meine Highlights als Naturfotograf
In diesem Gebiet finde ich die Kontraste, die meine Arbeit ausmachen:
- Der Marchfeldkanal (Bereich Norden): Das blaue Band des Parks. Entlang des Kanals herrscht eine enorme Biodiversität – vom schillernden Eisvogel über den bunten Bienenfresser bis zum scheuen Pirol.
- Süssenbrunn & Gerasdorf (Bereich Zentrum): Auch im Zentrum gibt es einige spannende Plätze zu entdecken. Einer davon ist der Bereich um die „Transportbetongrube“, ein Schottersee der sich leider im Privatbesitz und nicht direkt zugänglich ist, der Golfplatz mit seinen Zieseln und die Felder, die sich bis zum Marchfeldkanal und dem Gerasdorfer Badesee erstrecken.
- Die Agrarlandschaften (Bereich Osten): Wer genau hinsieht, entdeckt zwischen den Feldern Feldhasen, Rehe oder auch bedrohte Arten wie Haubenlerchen und Kiebitze.
- Der Norbert-Scheed-Wald (Bereich Süden): Ein Pionierprojekt zwischen Breitenlee und Essling. Hier entsteht ein neuer Naturraum, der bereits jetzt ein Magnet für Neuntöter, Rohrweihen, Kuckuck und andere seltene Vogelarten ist.

Warum dieses Projekt so wichtig ist
Im Gegensatz zu klassischen Parks in der Innenstadt ist der DreiAnger ein „Arbeitsraum“ für die Natur. Es geht um Vernetzung. Arten, die durch die Zersiedelung isoliert wurden, finden hier wieder Korridore, um zu wandern und sich zu vermehren. Für mich ist es ein Privileg, diese Rückeroberung der Natur beobachten und dokumentieren zu dürfen.

Wie geht es weiter?
Der nächste Blog Artikel wird der erste Tourbericht und soviel kann ich jetzt schon versprechen, der wird super spannend. Ich hatte eine besondere Begegnung die ich nicht so schnell vergessen werde. Ein echter Gänsehaut – Moment.
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